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Einsätze
THW Kräfte im Einsatz in Laasche

Laasche (LK Lüchow-Dannenberg). Gegen 01:30 Uhr trafen die Einsatzkräfte des THW Ortsverbandes Ronnenberg in der Kreisstadt Lüchow (Wendland) ein. Die Fahrzeuge der Kolonne wurden zunächst im Bereitstellungsraum am Kreishaus abgestellt und die Helfer versorgt. Hier befanden sich bereits zwei Kreisfeuerwehrbereitschaften in Warteposition. Vom Meldekopf aus wurden die Ronnenberger Führungskräfte zur Technischen Einsatzleitung (TEL) gebracht, die ortsfest im Kreishaus untergebracht war.


In der Technischen Einsatzleitung ist das THW mit zwei Fachberatern vertreten. Nach einer umfangreichen Einweisung in die Lage bestand noch die Möglichkeit die Räumlichkeiten der TEL zu besichtigen und einen Eindruck von der Arbeit der Sachgebietsleiter und Fachberater zu gewinnen. Neben dem Ortsverband Ronnenberg waren auch die Fachgruppen Räumen des OV Stadthagen und des OV Braunschweig alarmiert worden und befanden sich auf dem Anmarsch. Von einem Einsatzabschnitt wurde zu diesem Zeitpunkt ein Radlader und Beleuchtungsgerät angefordert.


Die Ronnenberger Kräfte erhielten daher den Auftrag, unverzüglich in den Ortsteil Laasche der Gemeinde Gartow zu verlegen. Die Gemarkung war zu diesem Zeitpunkt von allen Seiten von der Elbe eingeschlossen und konnte nur über einen ca. 800 Meter langen Damm erreicht werden. Der Ort mit ungefähr 100 Einwohnern ist rundherum eingedeicht und lag am Sonntag fast vollständig unter dem Wasserspiegel der Elbe. Auf einem Campingplatz war die Einsatzabschnittsleitung eingerichtet.


Gegen drei Uhr erreichten die Kräfte die bereits zum Teil überflutete Landesstraße 256 von der zwischen Gorleben und Gartow der Damm in Richtung Laasche abzweigt. Am östlichen Ende der durch das über die Seege von der Elbe zurück gestaute Hochwasser entstandenen Insel sollten die THW Helfer eine Füllstelle für Sandsäcke einrichten. Die Kräfte einer Feuerwehrbereitschaft standen bereit um die Säcke zu füllen zu und auf Paletten zu stapeln. Die Ronnenberger Kräfte leuchteten den Platz aus und führte mit dem Bergungsräumgerät Verladearbeiten durch.


Die Ortschaft Laasche, war bei Eintreffen der THW-Einheiten vollständig vom Wasser eingeschlossen. Der Wasserstand reichte an den aufgeweichten Deichen fast überall bis zur Deichkrone. An einigen Stellen war bereits der Deich überspült und das Wasser wurde notdürftig durch Sandsäcke aufgehalten. Im östlichen Bereich der Insel, wo sich der Sandsackplatz befand, war das Gelände unwegsam und nur mit Allrad-LKW zu erreichen.


Für den Transport der Sandsäcke auf der Insel standen zwei Kipper des THW (OV Ronnenberg und OV Stadthagen), ein 'Wassergefahren-LKW' (OV Hameln), zwei zivile Baustellen-LKW sowie mehrere landwirtschaftliche Gespanne zur Verfügung. Die Feuerwehren und die DLRG kümmerten sich an den Deichen um den Verbau der angelieferten Sandsäcke. An den Sickerstellen wurden Quellkaden gebaut. Bei drohenden Deichabrutschen erfolgte eine Beschwerung des Deichfußes.


Die meisten Sandsäcke wurden auf die Transportfahrzeuge verladen und über die Dorfstraße bis an das westliche Ende der Insel gebracht, wo sich der Verladepunkt für den Umschlag auf die Wasserfahrzeuge befand. Der Deich war überwiegend nicht mit mit Fahrzeugen erreichbar, so dass die Sandsäcke von der Wasserseite aus herangebracht werden mussten. Die Dorfstraße war bereits zum Teil überspült und konnte nur durch Notdämme für den Fahrzeugverkehr gehalten werden.


An der Verladestation hatte die DLRG eine LKW mit Ladekran positioniert, der dazu diente die Sandsackpaletten von den Transportfahrzeugen auf die Boote zu laden. Mit einem Radlader musste der aufgeweichte Boden immer wieder Befestigt werden, damit die allradgetriebenen Fahrzeuge direkt bis an die Wasserkante hernfahren konnten.


Zum Transport auf dem Wasserwege standen zwei Ganzpontons des THW OV Hameln, zwei Mehrzweckarbeitspontons des THW OV Achim und je ein Arbeitsboot der Feuerwehr und der DLRG zur Verfügung.


Auf dem Wasser transportierten die Fachgruppen Wassergefahren die Sandsäcke zu den Einsatzstellen am Deich, die von der Landseite aufgrund der aufgeweichten Wege nicht mehr erreichbar waren. Bei einer stark variierenden Wassertiefe zwischen 0,3 und 3,0 Metern im Bereich der überfluteten Gebiete war es erforderlich, die erkundeten Fahrrinnen genau einzuhalten, damit die Pontons nicht auf Grund aufsetzten. Mit jedem Ganzponton konnten bis zu 250 Sandsäcke transportiert werden.


Im Verlauf des Einsatzes dichteten die Helfer nahezu den gesamten Deich an der Nordseite der Insel ab und erhöhten ihn dort wo eine Überflutung drohte. Taucher der DLRG brachten zu diesem Zweck wasserseitig folien aus, die dann mit Sandsäcken beschwert wurden. Auf und hinter dem Deich kam Flies zum Einsatz. Beim Entladen der Wasserfahrzeuge arbeiteten THW, Feuerwehr und DLRG Hand in Hand. Die eingesetzten Rettungstaucher hatte die DLRG aus ganz niedersachsen zusammen gezogen. Auf der Insel Laasche waren Kräfte der DLRG-Wasserrettungszüge aus Stade, Horneburg, Cuxhaven und Hannover im Einsatz.


Auf dem mittlerweile geräumten Campingplatz bereiteten die Helfer der DLRG den Taucheinsatz vor. Die Einsatztaucher wurden von dort aus zum Bootsanlager gefahren. Weitere Helfer wickelten die Folienabschnitte, die am Deich im Wasser verankert werden sollten um Metallrohre, die dann mit einem Bootstrailer transportiert wurden. Durch die Rohre ist es möglich die Folie auch bei Strömung einigermassen flächig auf der Wasserseite auszubringen.


Die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen des THW OV Stade setzte ihre Schnelleinsatzpumpe an der tiefsten Stelle der eingedeichten Insel ein. Von hier aus wurden mit der Havariepumpe ca. 15.000 Liter Sickerwasser pro Minute über den Deich gepumpt. Später unterstützte zusätzlich der THW OV Arnsberg (NRW) mit einer Pumpe.


Der Campingplatz in Laasche war geräumt worden. Hier hatte die Feuerwehr ihre Einstazabschnittsleitung eingerichtet. Alle Einsatzfahrzeuge die nicht zwingend in den Unterabschnitten oder zum Transport benötigt wurden, wurden auf dem Campingplatz abgestellt. Der Damm, der die Ortschaft Laasche mit dem 'Festland' verband, war lediglich wechselseitig im Einbahnstraßenverkehr befahrbar. Das Wasser reichte auf beiden Seiten bis an die Fahrbahn. Zum Schichtwechsel stauten sich die Einsatzfahrzeuge auf der Zusfahrtsstraße.


Die Helfer des Ortsverbandes Ronnenberg teilten sich in zwei 12-Stunden Schichten mit je 8 Einsatzkräften auf. Dadurch konnten die Geräte der Fachgruppe Räumen rund um die Uhr betrieben werden. Am zweiten Einsatztag erhielt die Tagschicht Unterstützung durch die Fachgruppe Räumen des OV Stadhagen und die Nachtschicht durch die Fachgruppe Räumen des OV Braunschweig.


An dem Sandsackfüllplatz, der durch die Kräfte des THW OV Ronnenberg betreut wurde, wechselten sich Helfer der Feuerwehren, der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerkes beim Befüllen ab. Ab Sonntag Nachmittag standen zusätzlich ein Bagger und ein kleiner Radlader eines Bauunternehmers zur Verfügung. Weiterhin leisteten zwei Geländekipper mit Raupenantrieb gute dienste im aufgeweichten Boden.


Zeitweise wurde im Ortskern ein zweiter Füllplatz eingerichtet, der vom THW mit Sand, der auf der Insel gewonnen werden konnte, beliefert hat.


Am Sonntagnachmittag begannen die beiden Räumgruppen der Ortsverbände Stadthagen und Ronnenberg damit eine Behelfsstraße vom Sandsackfüllplatz zum Unterabschnitt 'Fuchsbau' einzurichten. Hierzu musste ein Waldstück mit sehr aufgeweichtem Boden durchquert werden. Mit den Kippern wurde abwechselnd Sand und Kies herangefahren, den dann die beiden Bergungsräumgeräte verteilten und verdichteten. Über die nehelfsmäßige Straße wurde ein Deichabschnitt mit Sandsäcken versorgt.


Im Unterabschnitt 'Fuchsbau' wurden die Sandsäcke zeitweise auch direkt am Deich gefüllt. Fünf THW-Helfer aus Ronnenberg und Stadthagen füllten hier direkt den Sand ab, der von dem Bergungsräumgerät herangebracht wurde und gaben die gefüllten Säcke dann an die Kette der Feuerwehrleute weiter, die sie über den Deich bis an die Flickstellen weiterbeförderten.


Der Einsatz der Ronnenberger THW Einheit ist derzeit bis Karfreitag geplant. Bei Bedarf kann danach eine Ablösung gestellt werden. Die Helfer sind zur Zeit in der Grundschule Gartow untergebracht. Hier steht ein Klassenzimmer für die Feldbetten zur Verfügung. Die Verpflegung erfolgt durch Feldküchen des DRK.


09.04.2006
Bernhard Rodeck
Fotos

© Bundesanstalt THW Ortsverband Ronnenberg